Kinder und Medienkonsum - Zehn wirklich sinnvolle Alternativen zu Bildschirmzeit

Vor zwei Jahren, als Kindergeburtstage noch groß gefeiert werden konnten, waren wir zu Besuch bei Freunden. Die Kinder tobten, wir Erwachsenen tranken Kaffee in gemütlicher Runde. Draußen fiel der Schnee und eine der Dreijährigen stand gebannt vor der Tür, die raus auf die Terrasse führte, und beobachtete einen kleinen Hund, der in einiger Entfernung auf dem Nachbargrundstück herumtollte. Und dann - eine vertraute Bewegung. Die Hand des Kindes setzte geübt drei Fingern auf die Glasscheibe und versuchte, den kleinen Hund in der Ferne näher heran zu zoomen.

”Bißchen zu viel Zeit vor dem iPad in den letzten Wochen”, sagte der Vater des Kindes erschrocken - und wir anderen fühlten uns ertappt. Denn machen wir uns nichts vor, es hätte durchaus auch eines unserer Kinder sein können.

Eine Stunde Mediennutzung pro Tag, das gilt als Höchstgrenze für kleine Kinder im Alter zwischen zwei und vier Jahren. Morgens vor dem Frühstück schnell eine Runde KiKa, nachmittags ein Spiel auf Papas Handy, dann ein paar lustige Videos auf YouTube und TikTok anschauen und nach dem Abendessen noch kurz Facetime mit Oma und Opa, bevor das Sandmännchen kommt - ein Großteil der Kinder im Vorschulalter verbringt wesentlich mehr Zeit vor dem Bildschirm als von der WHO empfohlen. Bei Kindern unter zwei Jahren wird sogar von jeglichem Medienkonsum abgeraten, trotzdem läuft selbst beim Spielen oft im Hintergrund der Fernseher und dienen Handy und iPad als schnelle Ablenkung.

Die Folgen? Gereiztheit, Aggressivität, Schlafstörungen, verzögerte Sprachentwicklung, mangelnde motorische Fähigkeiten, verändertes Bindungsverhalten, ein geringeres Selbstwertgefühl und ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Übergewicht.

Wir als Eltern sind oft zu beschäftigt oder zu müde, um mit unseren Kindern immer wieder die gleichen Diskussionen darüber zu führen, weshalb Freunde aus der Kita mehr Filme schauen dürfen oder weshalb das Handy im Bett nichts zu suchen hat. Gerade jetzt, zu Zeiten von Lockdown und Homeoffice, sind iPad und Fernseher nicht selten willkommene Babysitter, wenn wir selbst einfach mal kurz Luft für uns brauchen.

Als berufstätige Mutter, die viel im Homeoffice arbeitet und gleichzeitig gerade zwei Kindern im Distanzunterricht dabei behilflich sein muß, stapelweise Arbeitsblätter durchzugehen und Hausaufgaben zu machen, komme auch ich mitunter an meine Grenzen und merke, daß ich nachgiebiger werde, was die Zeit vor dem Bildschirm betrifft.

Ohne klare Regeln geht es auch bei uns zu Hause nicht. Das Handy gehört bei uns nicht an den Esstisch, das Spielen auf dem iPad ist zeitlich begrenzt, der Fernseher wird nur für ausgewählte Sendungen angeschaltet und läuft nicht im Hintergrund. Das Wichtigste für uns ist es aber, unseren Kindern konkrete Alternativen anzubieten, statt einfach nur den Medienkonsum einzuschränken.

Als unsere Kinder noch klein waren, haben wir deshalb die ersten Prototypen unserer Quiet Books [link] entwickelt. Uns war wichtig, daß das sinnliche Entdecken unserer Kinder gefördert wird, sie sich im freien Spiel kognitiv und motorisch weiterentwickeln können, ganz ohne Lärm, Batterien und Plastik. Schnell haben wir gemerkt, daß wir bei unseren Kindern immer dann Erfolg hatten, den Medienkonsum zu verringern, wenn wir weniger Fokus auf die Bildschirmzeit selbst und stattdessen mehr auf Alternativen richteten, um die vielen Stunden, die ein Tag haben kann, sinnvoll auszufüllen.

Was bei uns als alternatives Spiel- und Freizeitangebot gut funktioniert:

  1. Eine große Bastelkiste mit Bändern und Knöpfen, leeren Verpackungen, alten Zeitschriften, Klebestiften, Tesafilm und Geschenkpapier, aus der sich die Kinder frei bedienen dürfen. Ab und zu gibt es bei uns noch ein kleines Extra, ein paar Glitzerstifte oder Aufkleber, damit die Materialauswahl nicht langweilig wird.
  1. Eine Runde an die frische Luft gehen! Das funktioniert bei uns am besten, wenn all die nötigen Sachen griffbereit sind und wir nicht erst stundenlang nach Gummistiefeln und Thermosflasche suchen müssen.
  1. Gemeinsames Kochen als Familienzeit. Auch ganz kleine Kinder helfen schon gerne im Haushalt mit, decken den Tisch und schneiden Gemüse und Obst. Kennt ihr schon unser wunderschönes Küchenset [Link] aus Holz? Damit sind kleine Köche bestens ausgestattet, um beim Kochen der Lieblingsspaghetti mitzuhelfen.
  1. Stickerbücher und Perlen-Sets bieten sich vor allem im Vor- und Grundschulalter an, um die Zeit kreativ zu nutzen.
  1. Ein Klassiker bei ungemütlichem Schmuddelwetter: Die Kinder aus Kissen und Decken Höhlen bauen lassen und mit einem Teller mit Apfelschnitzen, Nüssen und Käsewürfeln ein kleines Indoor-Picknick veranstalten. Mit einer Lichterkette wird es extra gemütlich.
  1. Für jüngere Kinder sind unsere Quiet Books [link] ideal, um sich eine Weile selbst zu beschäftigen oder gemeinsam mit euch Eltern Geschichten zu erfinden und mit kleinen Fingern auf große Entdeckungsreisen zu gehen - jedes unserer Bücher lädt zum kreativen Spielen und Lernen ein.
  1. Kennt ihr schon Plogging? Ein Wort, das sich aus Jogging und plocka, dem schwedischen Wort für aufheben, zusammensetzt. Alles, was ihr dafür braucht, ist eine große Mülltüte - und dann geht es ab damit in den Wald oder in den Stadtpark, um weggeworfene Plastikbecher und Schokoladenpapiere einzusammeln. Wer dabei nicht rennen möchte, kann das auch ganz entspannt beim Spazierengehen machen.
  1. Mit einer Verkleidungs-Kiste, gefüllt mit ein paar aussortierten Kleidern und bunten Tüchern, Papas alten Hemden und ausrangiertem Modeschmuck, können Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Unsere niedlichen Tiermasken [link] sind eine schöne Ergänzung.
  1. Toniebox, eine Radiosendung für Kinder oder ein Hörspiel auf Spotify - damit lassen sich bei uns auch verregnete Nachmittage gut überstehen, gerne beim Basteln oder Bauen oder einfach nur auf dem Sofa.
  1. Ein warmes Bad hilft beim Entspannen. Mit Malseife oder Badefarben, ein paar wassertauglichen Spielsachen oder ein paar aufgeblasenen Luftballons wird die Badewanne schnell zum Lieblingsspielplatz vor dem Zubettgehen oder einfach zum Runterkommen zwischendurch.

Auch bei uns gibt es Tage, da sind iPad, Handy und Co ein letzter Ausweg - und das ist in Ordnung. Sinnvoll eingesetzt, kann dein Kind schließlich auch am Bildschirm vieles lernen und sich positiv weiterentwickeln, wenn du daneben noch einen Ausgleich durch andere Aktivitäten schaffst. Je mehr dieser Möglichkeiten es gibt und je öfter sie genutzt werden, desto leichter fällt es Kindern, die Zeit vor dem Bildschirm sukzessive zu verringern, zeigt uns unsere Erfahrung. Und - Hand aufs Herz, das gilt auch für uns Erwachsene.

Was sind eure besten Tipps, damit eure Kinder mehr Zeit im freien Spiel und weniger vor dem Handy verbringen? Ich freue mich auf eure Anregungen!

 

Herzliche Grüße, Nishtha

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